Die Normativität der Wissenschaften

Wissenschaft ist institutionalisierte Kritik zu Erkenntniszwecken. Ihr maßgeblicher Anspruch ist die methodisch geregelte Suche nach relevanten Wahrheiten. Diese beiden Behauptungen sollen unter dem doppelten Eindruck von falscher Wissenschaftsgläubigkeit und aktivistischer Herausforderung der Wissenschaftsfreiheit erläutert und gerechtfertigt werden.
Prof. Ladwig wird dazu eine rationale Rekonstruktion wissenschaftlicher Praktiken vorschlagen, die deren Normativität freilegt, ohne zu falschen Idealisierungen einzuladen. Falsch ist eine Idealisierung der Wissenschaft zu einer Lieferantin und Verwalterin gesicherten Wissens. Eher soll sie uns durch methodische Kritik vor Borniertheit bewahren. Diesem Zweck ist auch eine aktivistische Unterwerfung der Wissenschaft unter das Kriterium politischer Zweckmäßigkeit abträglich. Wissenschaft sucht allerdings nicht nach irgendwelchen, sondern nach relevanten Wahrheiten. Aus diesem Grund beruht die Wahl von Theorien nicht allein auf den Belegen, die für ihre Wahrheit sprechen, sondern wird von normativen Erwägungen nichtepistemischer Art mitbestimmt. Das soll abschließend am Beispiel von Theorien der Rationalität veranschaulicht werden.
